Eine Umsatzbedingung besteht aus fünf Zahlen. Wer alle fünf kennt, kann in etwa einer Minute ausrechnen, was die Bedingung verlangt und was sie im Erwartungswert kostet. Wer nur die erste kennt — den Faktor — rechnet regelmäßig um den Faktor zehn falsch. Diese Seite geht die fünf Zahlen der Reihe nach durch.
Zahl 1: der Umsatzfaktor
Der Faktor gibt an, wie oft ein Betrag umgesetzt werden muss. Er ist die bekannteste und für sich genommen die am wenigsten aussagekräftige der fünf Zahlen, denn erst mit Zahl 2 wird aus ihm ein Betrag.
Zahl 2: die Bezugsgröße
Bezieht sich der Faktor nur auf den Bonus oder auf Bonus und Einzahlung zusammen? Das verdoppelt die Anforderung oder eben nicht.
Rechenbeispiel
| Annahme | Bezug: nur Bonus | Bezug: Bonus und Einzahlung |
|---|---|---|
| Einzahlung 100 €, Bonus 100 €, Faktor 35 | 35 × 100 € = 3.500 € | 35 × 200 € = 7.000 € |
Derselbe Faktor, dieselbe Einzahlung, doppelte Anforderung. Diese Zeile in den Bedingungen zu überlesen ist der häufigste Rechenfehler überhaupt.
Zahl 3: die Spielgewichtung
Nicht jeder Einsatz zählt voll auf den Umsatz an. Üblich sind gestaffelte Beitragsquoten: Automatenspiele häufig 100 Prozent, Tischspiele deutlich weniger, einzelne Titel gar nicht. Die Gewichtung wirkt damit als Multiplikator auf den tatsächlich nötigen Einsatz.
Fortsetzung des Beispiels
| Gewichtung | Nötiger tatsächlicher Einsatz für 3.500 € Umsatz |
|---|---|
| 100 % | 3.500 € |
| 20 % | 17.500 € |
| 10 % | 35.000 € |
| 0 % (ausgeschlossen) | rechnerisch nicht erreichbar |
Zahl 4: der Höchsteinsatz während des Umsatzes
Fast alle Bedingungen begrenzen den Einsatz pro Runde, solange eine Umsatzanforderung offen ist. Diese Zahl bestimmt nicht die Höhe der Anforderung, sondern die Zeit, die sie braucht — und sie ist die Regel, an der Bedingungen am häufigsten scheitern, weil bereits ein einziger zu hoher Einsatz genügt.
Der deutsche Rechtsrahmen macht diese Rechnung besonders anschaulich. Nach § 22a GlüStV 2021 darf der Einsatz bei virtuellen Automatenspielen einen Euro je Spiel nicht übersteigen, und ein Spiel muss durchschnittlich mindestens fünf Sekunden dauern. Daraus folgt unmittelbar eine Untergrenze für die Spieldauer:
Zeitrechnung unter den Vorgaben des § 22a
| Umsatzanforderung | 3.500 € |
| Höchsteinsatz je Spiel | 1 € |
| Mindestanzahl Spiele | 3.500 |
| Mindestdauer je Spiel | 5 Sekunden |
| Reine Mindestspielzeit | 17.500 Sekunden, also rund 4 Stunden und 52 Minuten |
Ohne Pausen, ohne Unterbrechung, bei voller Gewichtung. Bei einer Gewichtung von 10 Prozent wäre derselbe Wert das Zehnfache.
Zahl 5: die Frist
Die Frist entscheidet, ob die Rechnung aus Zahl 4 überhaupt in den verfügbaren Zeitraum passt. Mindestspielzeit gegen Restlaufzeit: passt es nicht, ist die Bedingung nicht schwer, sondern arithmetisch unerfüllbar. Dieser Vergleich dauert dreißig Sekunden und wird fast nie angestellt.
Was die Bedingung im Erwartungswert kostet
Der letzte Schritt ist der ehrlichste. Ein Umsatz von 3.500 € an einem Spiel mit einer theoretischen Auszahlungsquote von 96 Prozent bedeutet einen Hausvorteil von 4 Prozent auf den gesamten Umsatz:
3.500 € × 4 % = 140 € erwarteter Verlust
Das ist kein pessimistisches Szenario, sondern der Erwartungswert. Die tatsächliche Streuung um diesen Wert ist groß, in beide Richtungen. Aber jede Bewertung einer Umsatzbedingung, die diese Zeile weglässt, ist unvollständig.
Die Checkliste in der richtigen Reihenfolge
- Höchster auszahlbarer Betrag aus Bonusguthaben — die Obergrenze der gesamten Übung.
- Umsatzfaktor und Bezugsgröße.
- Gewichtung und Ausschlussliste.
- Höchsteinsatz während des Umsatzes.
- Frist, verglichen mit der Mindestspielzeit aus den Punkten 2 bis 4.
Häufige Fragen
Warum ist die Bezugsgröße so wichtig?
Weil sie die Anforderung bei gleicher Einzahlung und gleichem Faktor verdoppelt. Ein Faktor 35 auf Bonus und Einzahlung entspricht rechnerisch einem Faktor 70 auf den Bonus allein.
Zählt ein Einsatz an ausgeschlossenen Spielen gar nicht?
In der Regel gar nicht, und in strengeren Bedingungen führt er zusätzlich zum Verfall des Bonusguthabens. Die Ausschlussliste steht meist auf einer eigenen, verlinkten Seite und wird geändert.
Bedeutet eine hohe Auszahlungsquote, dass sich die Bedingung lohnt?
Sie senkt den erwarteten Kostenbetrag pro umgesetztem Euro, hebt ihn aber nicht auf. Der Erwartungswert bleibt negativ; die Auszahlungsquote bestimmt nur, wie stark.
Quellen
- Glücksspielstaatsvertrag 2021, § 22a — Virtuelle Automatenspiele (abgerufen am 2. August 2026)
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder — gluecksspiel-behoerde.de (abgerufen am 2. August 2026)